Bevor wir zu den Referenzen kommen kurz etwas in eigener Sache:
Digitales Zeichnen ist bei vielen Leuten schlichtweg verpönt. Woran das genau liegt, kann ich Ihnen leider auch nicht beantworten, jedoch ist mir dazu eine Sache besonders aufgefallen:
Viele Leute denken bei dem Wort "Digital" anscheinend, dass der Computer einem die Arbeit abnimmt. Daher ist in deren Augen ein digital gemaltes Bild weniger Wert als ein von Hand Gemaltes.
Nun, es mag bei einigen Tätigkeiten durchaus der Fall sein, dass der PC diese alleine bewältigen kann. Gerade im gestalterischen Bereich kann ich diese Aussage jedoch nicht bestätigen. Computer haben kein sehr kreatives Wesen, im Gegenteil:
Computer sind struntzdoofe Kreaturen.
Ich habe es auf dieser Page schon einmal gesagt: Der PC ist ein Werkzeug. Wenn jemand nicht von sich aus über wenigstens etwas zeichnerisches Talent verfügt, hilft ihm auch das beste Programm nicht weiter. Es wäre absurd zu denken, dass jemand, der noch nie einen Stift in der Hand gehabt hat sich an ein Grafiktablett setzt und eine Mona Lisa hinbekommt.
Meiner Meinung sind die Vorteile des digitalen Zeichnens, dass man etwas mutiger beim Ausprobieren verschiedener Sachen sein kann, da sich Fehler leichter korrigieren lassen als auf dem Papier. Außerdem lassen sich verschiedene Malstile sehr leicht simulieren, wodurch man sich nicht so intensiv um die Handhabung verschiedener Zeicheninstrumente kümmern muss.
Ich würde es deshalb am Ehesten so beschreiben: Der PC ermöglicht es einem Zeichner, Zeit zu sparen, neue Dinge auszuprobieren und Fehler leichter zu beheben. Er macht es ihm somit leichter, seine Arbeiten in der Form zu realisieren, wie sie ihm vorschweben. Das Zeichnen an sich - die kreativen Ideen - müssen aber immer vom Menschen kommen.
Aber genug über die Theorie, hier ein paar Beispiele meiner digitalen Zeichnungen:

Landschaften lassen sich auf digitalem Wege sehr leicht zeichnen, da man in erster Linie mit Texturen auf großen Flächen arbeitet.

Hier sehen Sie ein Motiv, bei dem ich versucht habe, Aquarellfarben zu simulieren. Sie sehen an den Rändern ganz klar die einzelnen Farbtupfer. Wie eingangs beschrieben lassen sich verschiedene Stile sehr leicht digital imitieren.

Dieses Motiv erkennen Sie bestimmt wieder.
Die Formen wurden real mit Bleistift auf Papier gemalt und eingescannt. Die komplette Kolorierung wurde digital vorgenommen. Ziel war es, den Stil von Wasserfarben zu imitieren.

Auch hier wurde die Figur zuerst auf Papier gemalt, eingescannt und dann mit Farbe versehen. Übrigens habe ich meine eigene Kunstgalerie online zur Ansicht. Bei Interesse können Sie diese
hier besuchen.
Kommen wir jetzt zum Thema Räumlichkeit und Realismus:

Comichafte Figuren sind digital sehr leicht zu erstellen, da man meist mit klaren Konturen arbeitet, die sich leicht mit einer Farbe füllen lassen. Die Figur wirkt natürlich sehr zweidimensional, was aber auch beabsichtigt ist.

Hier hingegen sehen Sie, dass ich auch zweidimensionale Figuren auf komplexerem Wege realisieren lassen. Die Farben bestehen hier nicht mehr nur aus mehreren Einzeltönen, sondern weisen stufenlose Übergänge auf. Das wirkt weicher und gibt an bestimmten Stellen schon einen Eindruck von Tiefe. So sehen sie z.B.an der Hüfte den Schatten der Arme sowie die Muskelkonturen an den Oberschenkeln.

Hier geht es schon einen Schritt weiter, da die Flammen in der Hand sich nicht automatisch auf technischem Weg erzeugen lassen. Ein Computer kann keine unregelmäßigen Muster generieren. Auch die Narbe über dem Auge ist deutlich schächer als die Körperkonturen, jedoch deutlich stärker als die normalen Farbabstufungen der Haut. Es wurden also 2 Elemente in das Bild eingefügt, die nochmal eine weitere Art der Tiefenwirkung hinzufügen.

Hier nochmal 2 Figuren in dem gleichen Stil wie zuvor. Dadurch, dass wir Beide in einem kleineren Maßstab sehen, verschmelzen die Farbübergänge noch mehr miteinander, was ein harmonischeres Gesamtbild ergibt. Trotzdem handelt es sich noch immer um zweidimensionale Zeichnungen.

Hier sehen Sie ein komplettes Bild nach dem gleichen Schema wie zuvor. Die Technik ist die gleiche. Jedoch lässt sich durch Unschärfe im Hintergrund und Größenverhältnisse die Illusion von Tiefe im Bild erzeugen.

Bei diesem Motiv sehen Sie schon sehr deutlich einen Unterschied. Es wurden mehrere Abstufungen von Hell und Dunkel eingebaut, die Haare sind sehr detailliert ausgearbeitet und man erkennt auch deutlich die einzelnen Pinselstriche. Es handelt sich noch immer um eine sehr comichafte Figur, jedoch sind die Unterschiede in der Darstellung deutlich zu sehen.
Teddy Plushvelt, Urs of Bearington
Diese Figur wurde als Anhängsel für Emails erdacht. Die Formen muten recht plastisch an. Es erzeugt die Illusion, dass wir hier eine dreidimensionale Figur sehen. Sie sehen also, wir lösen uns so langsam von der zweidimensionalen Darstellung.

Diese Figuren sind deutlich ausgereifter, was den Realismus und die Dreidimensionalität angeht. Sowohl die Lichtreflexe als auch die Farbunterschiede innerhalb der einzelnen Flächen sind komplett unregelmäßig. Und es sind immer die Unregelmäßigkeiten, die ein Objekt natürlich erscheinen lassen. Es ist noch immer kein Photorealismus, aber bei diesen Motiven wäre dies auch der falsche Ansatz gewesen.
So und jetzt fragen Sie sich selbst:
Hätten Sie ohne Beschreibungen sofort sagen können dass diese Bilder digital gemalt worden sind?